10. 12-Kanal-Ruhe-EKG

Das 12-Kanal-EKG stellt für den erfahrenen Kardiologen eine unverzichtbare Basisdiagnostik dar, insbesondere zur schnellen Beurteilung akuter Durchblutungsstörungen, Herzinfarkte sowie Reizleitungs- und Reizbildungsstörungen. Dabei liefert das EKG neben elektrischen Veränderungen auch Hinweise auf die anatomische Lage des Herzens. Dennoch bleibt eine diagnostische Unsicherheit bestehen, da nicht alle pathologischen Veränderungen im EKG sichtbar werden. Insbesondere Infarkte oder Durchblutungsstörungen im Gebiet des Ramus circumflexus, einem der drei Hauptkranzgefäße des Herzens, sind im Standard-12-Kanal-EKG häufig nicht abgebildet. Diese Limitation resultiert aus der anatomischen Lage und der Verteilung der ableitbaren EKG-Zonen, welche die lateralen und hinteren Herzwände nur unzureichend erfassen. Folglich können relevante ischämische Veränderungen in diesem Bereich im Ruhe-EKG fehlen oder nur unspezifisch erscheinen. Daher ist es essenziell, das 12-Kanal-EKG immer im klinischen Kontext zu bewerten und gegebenenfalls ergänzende diagnostische Verfahren wie erweiterte EKG-Ableitungen oder bildgebende Verfahren einzusetzen, um eine umfassende kardiologische Beurteilung sicherzustellen.